Die Quarterbacks der Tour de France

Wenn am kommenden Samstag in Düsseldorf die Tour de France startet, beginnt nicht nur eine dreiwöchige Rundfahrt über deutsche, belgische und französischen Straßen, sondern auch das spektakulärste Einzelsportereignis – natürlich nach dem Super Bowl.

Die Tour de France ist für mich, neben der NFL, ein nicht wegzudenkender Teil des Sportjahres. Und auch der Radsport ist eine Mannschaftssportart. Niemand kann ein Rennen wie die Tour alleine gewinnen. Doch ähnlich wie im American Football bedarf es einzigartiger Athleten und Kapitäne, die am Ende den Sieg einfahren und symbolisch vor der Mannschaft stehen.

Wagen wir einen interdisziplinären Sportvergleich. Wer sind die Quarterbacks der großen Schleife in Frankreich. Für alle, die sich im Radsport auskennen ist es ein amüsanter Vergleich. Für diejenigen, die sich nicht auskennen bietet es die Möglichkeit anhand von NFL-Vorbildern die Radsportstars und Favoriten auf den Tour-Sieg kennenzulernen.

Wer sind die Favoriten auf die Tour und welchem NFL-Quarterback ähneln sie?

  1. Chris Froome ist der Tom Brady des Radsports

Der Brite ist der erfolgreichste Tour de France-Teilnehmer der vergangenen Jahre. In den letzten vier Jahren konnte er das Rennen dreimal für sich entscheiden. Er ist besessen von technischen Verbesserungen im Training und auch am eigenen Rad. Froome scheint, ähnlich wie Tom Brady, ein asketisches Leben zu führen, um im Wettbewerb topfit zu sein. Seine analytische Fahrweise (diese wirkt häufig langweilig) und sein überdurchschnittlich starkes Team, verbunden mit einigen Skandalen (Doping, Regelüberschreitungen) bringen ihm gefühlt mehr Gegner als Fans ein.

 

  1. Richie Porte ist der Aaron Rodgers des Peloton

Es erfordert nicht viel Nachdenken, um festzulegen, dass Richie Porte aus Tasmanien der coolste, versierteste und ausgeglichenste Fahrer ist. Und da liegt der Vergleich mit dem QB der Packers auf der Hand. RELAX ist auch das Motto von Porte. Er ist stets guter Laune und vertraut voll und ganz auf seine Stärken. Dazu hat er auch allen Grund. Er ist der Fahrer, der auf allen Terrains glänzen kann. Er ist stark am Berg, gehört zu den besten Zeitfahrern und kann auf flachen Etappen auf Position fahren. Porte kann alles und lässt es leicht aussehen. Seine Leistung in den vergangenen Vorbereitungsrennen lassen ihn als Topfavorit in die Tour starten.

 

 

  1. Nairo Quintana ist der Drew Brees aus Südamerika

Der Kolumbianer ist klein und geht daher schnell im Fahrerfeld unter. Seine Größe kommt ihm, obwohl er sehr leicht ist, nicht unbedingt zu Gute. Die Hebelwirkung, die ihm fehlt, lässt in nur zu oft beim Zeitfahren ins Hintertreffen geraten. Aber ähnlich wie der überragende Spielmacher aus New Orleans, ist Nairo Quintana ein Arbeitstier mit großem Kämpferherz. Er ist unbestritten der beste Fahrer am Berg und müsste, sofern er topfit ist, in der Lage sein im Hochgebirge in Frankreich die Rundfahrt zu entscheiden. Leider dauert die Rundfahrt sehr lange und verlangt von den Fahrern  über drei Wochen topfit zu sein. Der Kolumbianer hat leider zu oft den ein oder anderen schlechten Tag.

  1. Romain Bardet ist der Andrew Luck der Radstars

Auch wenn Welten zwischen der Physis von Andrew Luck und der von Romain Bardet liegen, so ähneln sich die beiden doch sehr. Beide sind völlig unbeeindruckt von der Konkurrenz und beleben ihre jeweilige Sportart durch oft unkonventionelle Spiel- bzw. Fahrweise. Bardet ist der Shootingstar des frz. Radsports. Im letzten Jahr konnte er bereits auf den zweiten Platz klettern und so viele Hoffnungen auf eine Renaissance eines frz. Sieges schüren. Ähnliche Last muss auch Andrew Luck in Indianpolis tragen nach der Ära Manning.  Und hier kommt die tragische Verbindung beider ins Spiel: Bardet und Luck könnten den großen Wurf schaffen, sobald sie in einem konkurrenzfähigen Team spielen bzw. radeln dürfen.

 

  1. Alberto Contador ist der Payton Manning, der Tony Romo und der Brett Favre seiner Zunft

Der Madrilene hat seinen Zenit schon länger überschritten, glaubt aber noch an den Erfolg und steht so jüngeren Fahrern im Weg. Viele große Sportler erkennen zu spät, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ganz vorne mitzumischen. Alberto Contador hätte nach seinem Giro d´ Italia Erfolg 2015 das Rad an den Nagel hängen sollen. Seine Dopingvergangenheit hätte er damit etwas ausbügeln können. Seitdem muss er kämpfen, um bei Rennen wie der Tour in die Top 5-10 zu fahren. Er versammelt teils junge und talentierte Fahrer hinter sich, die selbst Eigeninteressen hinten anstellen müssen. Zudem glänzt Contador häufig durch Verletzungen und Stürze und muss meist vor dem ersten Anstieg die Segel streichen.

 

Meine Prognose, welcher Quarterback nun am Ende in Paris oben stehen wird ist auch eine frommer Wunsch von mir: Richie Porte wird die Tour für sich entscheiden und dem Radsport durch seine offene und ehrliche Art ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgeben. Vive le Tour.

2 Gedanken zu “Die Quarterbacks der Tour de France

  1. Eine wirklich pfiffige Idee die Quarterbacks mit den Radsporthelden zu vergleichen. Auch sie leiten ja ihre Teams, wie dies ein Quarterback tut. Allein für dieses geistige Glanzstück gibt es von mir schon die volle Punktzahl. Außerdem finde es ich interessant, dass du dich neben Football offenbar auch für Radsport interessierst. Eine spannende Kombination. Ich freue mich auf den nächsten inspirierten Artikel.

    Gefällt mir

    1. fhave

      Danke für deinen Kommentar und ich freue mich, dass Dir die Idee und das Ergebnis gefallen hat. Ich bin ein riesiger Radsportfan. Nfl und Radsport passen auch einfach so gut zusammen. Im Herbst/Winter hab ich den Football und im Frühjahr und Sommer den Radsport

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s