Alles eine Frage der Kondition

„There was nothing left“

Mit diesen vier Worten erklärt Dan Quinn, headcoach der Atlanta Falcons, den wohl größten Zusammenbruch einer Footballmannschaft beim Super Bowl. Die Geschichte ist bekannt: Im vergangenen Super Bowl gaben die Atlanta Falcons eine 28:3 Führung aus der Hand und verloren in der Verlängerung das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte. Viel wurde in den Tagen, Wochen und Monaten nach dem Spiel debattiert, ob Atlanta das Spiel verloren hat oder New England es gewonnen hat.

Dan Quinn glaubt mehr an die These, dass seine Schützlinge das Spiel verloren haben. Als einen Grund für den Untergang in den letzten Spielminuten nennt er, laut The Atlanta Journal-Constitution, auch seine Entscheidungen als coach. Seit dem zwölften Spieltag der regular season  war er, neben seinen Aufgaben als head coach, auch die Person, die für das play calling der Verteidigung zuständig ist. Genau dieses playcalling und seine Entscheidungen hinterfragt er in der Retrospektive. Die vielen snaps, die seine Verteidigung spielen musste, führte zu einer schnelleren Ermüdung der Spieler. Die Spielweise der Falcons ist körperbetont, schnell und zerrt deshalb sehr an der Kondition der Spieler. Trotzdem  wollte Quinn aber nicht von der Spielweise, der eigenen Identität abweichen.

“It wasn’t about one play,” he said. “Those (defensive series) are the ones I evaluated over and over. When you go back and sit through it over and over, you know, ‘I damn sure can’t get a do-over. But I can learn from it.’ I won’t apologize for how aggressive we play and our style and attitude of where we’re headed. But I have learned from that experience.” He didn’t get specific, but said, “I could have made it easier on them with design (changes). I could’ve changed the scenarios.”

Sein Spieldesign hatte die Patriots über mehr als eine Halbzeit an den Rand der Verzweiflung geführt. Dan Quinn sagt, dass er das Design hätte verändern sollen. Zwischen den Zeilen können wir lesen, dass die strenge Man-zu-Mann-Verteidigung der Falcons so erfolgreich war, dass Quinn lieber die schnellere Ermüdung seiner Spieler einging, als eine Zonenverteidigung zu spielen. Eine Zonenverteidigung hätte seine Spieler etwas geschont, aber auch Brady und der offense einfachere Passspielzüge erlaubt. Quinn wusste um die Ermüdung seiner Spieler:

“The guys were gassed. We had never played in the 90s (snap count). We were not traumatized at all. You could tell there was nothing left in the tank. They would come to the sideline in the fourth quarter and nobody was talking because there was nothing left.”

Häufig wird von Fans die Frage gestellt, warum Spieler in der Verteidigung schneller ermüden als ihre Gegenspieler im Angriff. Es erscheint auf den ersten Blick unlogisch, da beide Seiten gleichviele snaps spielen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich zwei gute Gründe finden, die eine schnellere Ermüdung der Verteidiger erklären. Der Super Bowl dient hier als das perfektes Beispiel:

  • Die angesprochene Mann-zu-Mann-Verteidigung ist für die cornerbacks, safeties und linebacker deutlich anstrengender als für die receiver und backs. Die Verteidiger müssen reagieren. Sie müssen deutlich mehr laufen und in der Verteidigung physisch aggressiver sein. Der Verteidiger muss bei jedem Spielzug voll konzentriert sein. Sich über einen langen Zeitraum zu konzentrieren, ermüdet. Hinzu kommt, dass das angreifende Team die Spielzüge bestimmen, verschiedene player packages spielen und so die Möglichkeit hat, Spielern eine Auszeit zu geben. (Bsp: Danny Amendola bekam immer kleinere Pausen und fing die spielentscheidenen Pässe.)
  • Die defensive line muss bei jedem Spielzug die volle Kraft aufbringen, um den Spielzug zu zerstören, egal ob es ein Lauf- oder Passspielzug ist. Die offensive-line kann bei einem Passpielzug etwas Kraft sparen. (Bsp: Die offensive-line der Patriots war im letzten Viertel deutlich überlegen und konnte Brady so besser beschützen.)

Dan Quinn wird aus dieser Niederlage lernen und in der Vorbereitung einen größeren Fokus auf die Fitness und Kondition seiner Spieler legen. Vielleicht sollte er den berüchtigten Hügel einführen, den die Patriots im Training erstürmen müssen.

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