Die Patriots graben wieder einmal tief im Regelbuch

Der NFL Draft 2017 ist in den Büchern. Die NFL hat es wieder einmal geschafft ein riesiges Event zu veranstalten. 250.000 Menschen sollen dieses Jahr dem ersten Draft unter freiem Himmel in Philadelphia beigewohnt haben. Allgemein wurde das Ereignis positiv bewertet. Das Wetter spielte mit und die Fans hatten gerade am ersten Tag genug spektakuläre trades zu diskutieren.

Doch das Thema Draft ist immer noch nicht vom Tisch. Die New England Patriots haben am Mittwoch die Medienwelt erneut erstaunt, als vom sogenannten und spärlich genutzten May 9th tender Gebrauch machten. Wie viele andere Fans war auch ich zunächst verwundert und musste mich zunächst in die genaue Bedeutung einlesen. Dazu später mehr, denn ich möchte zunächst etwas genauer auf die compensatory draft picks eingehen.

Gehört haben sicher die meisten schon von ihnen. Die compensatory draft picks werden den Teams zugeteilt, die in der free agency mehr Spieler verlieren, als neue unter Vertrag nehmen. Je nachdem wie gut die Ab- und Zugänge sind, kann sich das Team über einen Pick am Ende der dritten, vierten, fünften, sechsten oder siebten Runde freuen.

Wie es in der NFL üblich ist, ist dieser Prozess genau geregelt. Die Formel und weiteren Einschränkungen sind leider nicht öffentlich bekannt, aber sie wurden erstaunlich gut rekonstruiert.

Vereinfacht ausgedrückt ist es so, dass der neue Vertrag eines Spielers als Grundlage genommen wird. Es wird das Gehalt im ersten Vertragsjahr errechnet und danach wird das apy (average per year) mit einem Koeffizienten multipliziert. Dieser Koeffizient setzt sich aus der Spielzeit und eventuellen postseason honors zusammen. Da er nicht so ausschlaggebend ist, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Wenn ihr einen ausführlichen Einblick in die Thematik wollt, schaut doch hier vorbei. Over the Cap ist die Seite im Internet für alle Fragen rund um Verträge, trades und das salary cap.

Das jetzt errechnete und angepasste apy des Spielers definiert den compensatory draft pick und liegt zwischen dem jeweiligen Ende der dritten bis siebten Runde. Bei der Verteilung der picks wird nun geschaut, welches Team mehr ab- als Zugänge hat.

pats comp tabelle
Die roten Spieler kürzen sich in der Berechnung weg. Daten übernommmen von Over the Cap.

Wie man an der Tabelle ablesen kann, wird für die Patriots im nächsten Jahr ein viert- und füntrunden compensatory pick prognostiziert. Hier wird das tender für LeGarrette Blount interessant. Generell ist es so, dass nur Spieler die vor dem 9. Mai unter Vertrag genommen werden in die Formel zur Errechnung der compensatory picks einfließen. Genau das ändert das May 9 tender. Wenn Blount bis zum 22. Juli nicht bei einem anderen Team einen Vertrag unterzeichnet, halten die Patriots die Rechte an ihm bis zur zehnten Woche der kommenden Saison und er erhält den letztjährigen Vertrag mit einer Gehaltserhöhung von 10%. Unterzeichnet er vorher einen Vertrag bei einem anderen Team, fließt dieses signing nachträglich noch in die Berechnung ein.

Da Blount voraussichtlich keinen Vertrag unterschreibt, der mit einem siebt Runden Pick abgegolten wird, ist der nutzen dahinter auf den ersten Blick nicht sichtbar. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich jedoch, dass die Patriots sich damit absichern können. Wenn zum Beispiel Barkevious Mingo von den Indianapolis Colts nicht in den 53 Mann Kader übernommen würde, schützt das tendern von Blount vor dem Verlust des fünftrunden picks von Martellus Bennett. Blount ist als sich grundsätzlich qualifizierender comp pick der „Ersatzausgleich“.

Gleichzeitig bietet das tender für Blount eine gute Absicherung, falls sich einer der anderen running backs verletzt. Eine andere Betrachtung der Lage bietet eine weitere Interpretationsmöglichkeit. Nach Medienberichten waren die Baltimore Ravens an Blount interessiert. Wenn die Ravens Blount unter Vertrag nehmen würden, würden sie Gefahr laufen ihren drittrunden comp pick im nächsten Jahr zu verlieren. Dieses Szenario und weitere findet ihr im Detail hier.

Alles in Einem ist das tender für Blount wieder einmal eine sehr interessante Entwicklung und Zeichen dafür, dass die Patriots sich aller ihnen zu Verfügung stehender Mittel bedienen um das bestmögliche Team zu bauen.

Ich selber bin sehr gespannt, ob die Patriots mit dieser Aktion, im nächsten Jahr Nachahmer finden werden. Immerhin habe ich von vielen verschiedenen Reportern gelesen, dass sie sich nicht daran erinnern konnten, jemals die Nutzung eines solchen tenders mitbekommen zu haben.

Ein Gedanke zu “Die Patriots graben wieder einmal tief im Regelbuch

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