Das schlechteste Team der Liga und warum ich Fan wurde

Nun ja die Überschrift ist nicht ganz akkurat und auch ein wenig click bait. Mich als Fan zu bezeichnen wäre dann doch ein wenig verfrüht. Ich mag die Herangehensweise die genereal manager Sashi Brown an den Tag legt. Doch bevor ich darauf näher eingehe, bedarf es eines Rückblicks auf die Geschichte der Cleveland Browns.

Die fanbase der Cleveland Browns hat eine lange Leidensgeschichte vorzuweisen. Obwohl das Team vor der Super Bowl-Ära eines der erfolgreichsten Teams der USA war, konnte es danach leider nur noch wenig sportlichen Erfolg erzielen. 14 Playoff-Teilnahmen in der Zeit von 1965 bis 1995 sind keine schlechte Quote – der Super Bowl wurde jedoch kein einziges Mal erreicht.

Der eigentliche Tiefpunkt kam 1995 als der Besitzer der Browns, Art Modell, verkündete mit den Browns umziehen zu wollen. Die relocation von Cleveland in Ohio sollte nach Baltimore in Maryland gehen. Nachdem die Stadt und Fans drohten rechtliche Mittel einzulegen, einigte man sich ein Jahr später darauf, dass das franchise der Browns quasi ausgesetzt wird. Der Besitzer durfte nun mit den Spielern, Trainern und dem Rest der Belegschaft in Baltimore die Ravens als neues franchise gründen. Cleveland konnte die Geschichte und Rechte an den Browns retten, aber war bis 1999 ohne tatsächliches Football Team. In diesem Jahr nahmen die Browns im neuem Stadion den Spielbetrieb, in Form eines Erweiterungsteams, erneut auf.

Doch der sportliche Erfolg bleibt bis dato nahezu komplett aus. Nur zwei Saisons mit mehr Siegen als Niederlagen und ein siegloser Auftritt in den Playoffs sind eine traurige Bilanz. Besonders schmerzhaft für die Fans ist mit Sicherheit der Erfolg den die Ravens in der Zeitspanne vorweisen können. Alleine zwei Super Bowl Siege und zehn Playoff Teilnahmen sollten reichen um jede Diskussion zwischen Browns und Ravens Fans zum Erliegen zu bringen.

In den 18 Spielzeiten seit der „Wiedergründung“ 1999 haben die Browns einen erstaunlichen Verschleiß in Bezug auf die Schlüsselpositionen vorzuweisen. Neun Head Coaches, acht Generell Manager und sage und schreibe 26 verschiedene Quarterbacks mit mindestens einem Start. Zum Vergleich: Bei den Ravens gab im selben Zeitraum zwei HCs, einen GM und 17 QBs mit einem Start.

In diesen Zahlen sieht man den systemischen Fehler, den die Browns begingen und die meisten NFL Teams begehen, wenn der Erfolg ausbleibt. Das übliche Prozedere nach nicht erreichten Zielen, ist das Entlassen des Head Coaches, Generell Managers oder gar beiden. Bestenfalls kann man sich danach die Dienste des heißen Namens auf dem Markt sichern und stattet ihn mit einem Vertrag über viele Jahre aus. Nun hofft man auf eine signifikante Verbesserung, doch diese stellt sich nur in den seltensten Fällen ein.

Dafür gibt es zwei maßgebliche Gründe.

Der heiße Name auf dem Markt ist nicht selten mehr als heiße Luft. Häufig profitieren Offensive/Defensive Coordinators von der Stärke ihrer Spieler oder der Klasse des Head Coaches.

Die Spielphilosophie, bzw. das Schema des neuen HC/GM passt nicht auf den vorhandenen Kader. Wenn z. B. die Defense zuvor zone-coverage in der secondary gespielt hat ist der Übergang zu einer Mann zu Mann Verteidigung schwer.

Wurde die Neuverpflichtung nicht gut durchdacht und dann doch lieber ein Kandidat eingestellt, der die Fanbase nur kurzfristig zufriedenstellt, landet man nach ein bis zwei Jahren wieder am Anfang und feuert die nächste Person.

Damit befindet man sich in einem Teufelskreis aus neuem Personal, neuen Schemata und einem Kader, der sich im permanenten Umbruch befindet.

Was tun erfolgreiche franchises um sich aus diesen Bredouillen raus zu halten? Die Patriots, geleitet von HC und GM Bill Belllichick, verfolgen eine promote from within Philosophie. Es wird konsequent versucht, angestellte Trainer zu befördern, anstatt Personal von außen anzuwerben. Zwar verpasst man die Chance auf neue Impulse, aber man fährt eine konsequente Linie und kann so leichter langfristigen Erfolg generieren. Durch diese Konstanz ist das Team in der Lage für mehrere Jahre zu planen, auch wenn die durchschnittliche Spieldauer eines NFL-Profis bei nur 3,3 Jahren liegt.

Als der jetzige Besitzer der Browns, Jimmy Haslam, am 3. Januar die Beförderung von Sashi Brown zum Executive VP of Football Operations bekannt gab, hat er einen vielleicht bedeutenden Schritt in Richtung Erfolg getan. Sashi Brown hat nicht den üblichen Football Hintergrund wie man ihn bei den meisten Neubesetzungen findet. Er ist Jurist und hat an der Harvard Law School studiert.

Ebenso interessant war die zeitgleiche Anstellung des Baseball Managers Paul DePodesta als chief strategy officer. DePodesta war Teil der Bewegung im Baseball, die einen deutlich analytischeren, auf Statistiken beruhenden Ansatz wählte.

Diese beiden Entscheidungen lassen zum einen auf die benötigte Konstanz hoffen und zum anderen zeigen sie einen neuen Ansatz im teambuilding.

In den letzten beiden Jahren ist das Personal den Erwartungen gerecht geworden und hat getradet, als wenn es kein Morgen gäbe. Zwei Trades stechen hier ins Auge:

Als erstes zu nennen ist der trade down von Position 2 in der ersten Runde des Drafts 2016 zu Position 15. In einer langen und nicht ganz unkomplizierten Kette von verschiedenen trades haben die Browns 13 Positionen und einen Viert-Runden-Pick aufgegeben. Als Kompensation erhielten sie dann zwei Erstrunden-Picks, zwei zweitrunden Picks, zwei drittrunden Picks und noch weitere Picks in späteren Runden (Für detailiertere Infos).

Der zweite herausragende trade war der Deal mit den Houston Texans im März 2017. Die Browns haben im Endeffekt 16 Millionen Dollar ihres eigenen salary caps für einen zweitrunden Pick getradet. Dies war ein besonderer und bisher einmaliger trade in der NFL. Ein weiteres Indiz für die langfristige Planung der Browns: Sie pfänden die Gegenwart, um in der Zukunft Luft zu haben.

Nun ist das Wirtschaften mit den draft picks offensichtlich gut gelaufen, doch ob daraus gute Spieler werden und wurden, lässt sich im Moment noch nicht bewerten. Auch hilft ein super Kader allein nicht, wenn man nicht zumindest einen passablen Quarterback aufstellen kann. Die Idee des Teams scheint es zu sein, auf mittelfristiger Distanz ein starkes Team zu bauen. Für diese Hoffnung auf Erfolg nimmt man in Kauf, zwei, drei oder sogar vier Jahre schlechte sportliche Ergebnisse einzufahren.

Dieser pragmatische Ansatz ist es, was mich interessiert. Und auch wenn Glück hier eine große Rolle spielt, haben die Cleveland Browns mein Interesse geweckt. Es bleibt abzuwarten was am Ende daraus wird.

Ein Gedanke zu “Das schlechteste Team der Liga und warum ich Fan wurde

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